Spagat zwischen Grafik-Design und freier Kunst: Atelierbesuch bei Wolfgang Korz. Atelierbesuch

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Sich in Kunst hineinzuversetzen und in sie vollständig eintauchen
zu können gehört zum Arbeits-Credo von Wolfgang Korz.
„Kunst ist so was wie eine Heimat für mich, ein Zuhause, auch Meditation. Ich kann mich in ihr bewegen, mich in ihr leicht
fühlen, manchmal sogar mit ihr abheben
…“ Der Eindruck von romantischer Entrückung täuscht allerdings:
Für den 52- jährigen Künstler aus Kassel ist es wichtig, dass
man beim Arbeiten „etwas mit der Hand verändert“. Das ist für
ihn zugleich Kompensation zu seiner immateriellen Arbeit am Computer, die er als Grafikdesigner leistet. Die andere „Daseinshälfte“ aber besteht aus Malen, Modellieren und
Gestalten.Außerdem ist Wolfgang Korz als Dozent an der
Kasseler Kunsthochschule dort nicht nur wissenschaftlicher Mitarbeiter, sondern auch so etwas wie die Schnittstelle zwischen dem Zeichnen per Hand und der digitalen Bearbeitung. Er bringt Studierenden den professionellen Umgang mit Grafik- und Bildbearbeitungsprogrammen bei und unterstützt sie bei Gestaltungsfragen. Auch steht er den Studentinnen und
Studenten mit Rat und Tat zur Seite, wenn die jedes Jahr im Bereich „Comic und Illustration“ ein Buch herausgeben.
Wolfgang Korz ist viel unterwegs – zwischen der Kunsthochschule, Besprechungen, und seinem Atelier in der Querallee 43. Im Treppenaufgang des mehrstöckigen Hauses hat er einen Teil seiner Werke ausgestellt: den halben Meter hohen Elefanten aus Sandstein z. B., oder dickbauchige weiße Figuren, die Armbewegungen auszuführen scheinen wie Polizisten. Zu bestaunen ist auch seine jüngste Arbeit: Eine Bank, die aus einer Fläche besteht und dennoch als dreidimensionaler Körper erscheint – ähnlich dem Phänomen des Möbius’schen Bandes: „ono“ heißt das Bankobjekt, eine liegende „8“ mit einer räumlichem Windung als „zeitlich mathematisches Symbol der Unendlichkeit“.

Bilder zum „Weiterdenken“ Korz liebt es, mit verschiedenen Materialien zu spielen: Ton, Sandstein, Wachs, Acrylfarbe, Teer, Blattgold, Sackleinen hat er schon verarbeitet. Auch stilistisch ist er vielfältig, hat sich an Höhlenmalerei orientiert,
Abstraktes gemalt und sich im fantastischen Realismus geübt. „Ich will Ausdrücken, was ich in mir habe, innerlich und in Gedanken erlebe“,
sagt der gebürtige Bad Kreuznacher. Zu seinen Stilarten gehört natürlich auch die Kraft der Assoziation. Etwa, wenn er eine Struktur auf eine Leinwand aufträgt und nicht nach einem vorgegebenen Konzept arbeitet, sondern sich das Bild im
Prozess des Malens selbst erst entwickelt. Seine Themen richten sich danach, was ihm „gerade unter den Nägeln brennt“ – zum Beispiel zwischenmenschliche Beziehungen.

Auch Inhalte und Aussagen seiner Werke sind so vielfältig wie
sein Stil. Was für ihn Ästhetik bedeute? „Sie hat viele Ausdrucksformen,“ sagt er diplomatisch und differenziert zum Beispiel zwischen Harmonien
auf unruhiger, aber auch glatter Fläche. Ästhetik sei auch nicht einfach mit Schönheit gleichzusetzen – auch ein verfaulter Apfel könne bekanntlich künstlerisch gesehen ästhetisch sein.
Begonnen hat Wolfgang Korz’ beruflicher Weg schon im Alter
von 14 Jahren mit einer Lehre als Schaufenstergestalter in Bad Kreuznach. „Das war das einzige, was beruflich gesehen ein bisschen mit Kunst zu tun hatte“, erinnert er sich. Künstler werden
wollte er schon als Kind. Seine Eltern fanden allerdings, er solle einen „anständigen“ Beruf lernen.Die Lehre als Dekorateur bereut
er nicht, sammelte er doch mannigfaltige Erfahrungen: Plakate malen, mit Stoff gestalten, mit Holzarbeiten. Über einen Freund bekam er Kontakt zur Kasseler Kunsthochschule –
und bestand mit 19 Jahren die Begabtenprüfung. Gleichzeitig eröffnete sich ihm in Bad
Kreuznach Über eine Prüfung der Weg zum Abitur. Korz entschied sich für die Kunsthochschule. Ab 1972 studierte er Freie Kunst, Freie Grafik, Kunstgeschichte und Kunstphilosophie. Um sich zu finanzieren, fuhr er während des Studiums Taxi. Wegen des Zivildienstes musste er das Studium
unterbrechen und arbeitete mit Menschen mit geistiger Behinderung. Zudem veranstaltete er mit Jugendlichen Kunstworkshops in einer Drogenberatungsstelle. Seit 1978 ist er
als freischaffender Künstler tätig. Gut ein Jahr später machte er seinen Abschluss als Grafikdesigner. Die Zeit nach dem Studium bezeichnet er als „wild“: Korz was Möbelrestaurator, bediente in
der Kneipe, machte Zeitungslayout und spielte experimentellen Freejazz. Seine erste Ausstellung hatte Wolfgang Korz 1980. Es folgten zahlreiche weitere im In- und Ausland, die meisten davon
in Kassel und der Region. „Man macht Ausstellungen und knüpft Kontakte“, kommentiert er sein Vorankommen. Er habe sich nie besonders darum gekümmert, sich auf dem Kunstmarkt zu etablieren, denn er möge es nicht, sich vor anderen „zu produzieren“. Zum Grafik-Design hat er erst später gefunden.In seinem Atelier ist Raum sowohl für die Arbeit im Gestaltungs-
bereich als auch für die freie Kunst.
Auftragsarbeiten verlaufen manchmal sehr hektisch, so dass er froh ist, sich einfach einmal vom Computer wegdrehen zu können und eine Leinwand vor sich zu haben. „Beim Malen werde ich ruhig. Ich kann nicht hektisch arbeiten, da kommt nichts bei raus“, sagt Korz, der Vater von drei Kindern ist. Für seine Bilder, Skulpturen und Objekte kann alles Erdenkliche inspirierend sein. Ein Film. Eine Szene auf der Straße. Musik. Wozu Kunst dienen könne? ‘Wolko’, so signiert Wolfgang Korz seine Bilder, Überlegt. „Ich möchte, dass sie zum Weiterdenken, Weitersehen anregen.“